soziologisch

Themen, die mich bewegen

Die Zukunft bewältigen – neue Aufgaben für SoziologInnen

soziologie morgen – von Hugo Bachinsky (in: soziologie heute, Februar 2011)

Sehr geehrter Herr Hans B.!

Herzlichen Dank für Ihre kritische Stellungnahme, die im August 2010 in soziologie heute erschienen ist.  Es ist also höchste Zeit für meine Stellungnahme. Sie glauben nicht, dass man die Zukunft mit drei Trends einigermaßen erschöpfend beschreiben kann. Sie haben völlig recht:
1) Wir können die Zukunft überhaupt nicht (erschöpfend) beschreiben. Wir kennen die Zukunft schlicht nicht.
2) Mit drei Trends allein kann keine Entwicklung beschrieben werden. Aber mit drei Trends kann ein Weg (in die Zukunft) angedeutet werden. das habe ich beabsichtigt.

Ich habe nicht behauptet, dass es nicht auch früher Globalisierungstendenzen gegeben hat, so z. B. bei den Ägyptern, den Griechen, den Römern, bei den Portugiesen, Spaniern, Engländern und Franzosen (nicht zuletzt im Zusammenhang mit den Kolonisierungsbemühungen).
Heute sind solche Tendenzen, im Zusammenhang mit den neuen Risken der postindustriellen Gesellschaft wie sie Ulrich Beck in seiner „Risikogesellschaft“ beschrieben hat, in ein neues Stadium getreten, und es kann auch die Politik nicht mehr durch eine Pax Romana oder Pax Americana gelenkt werden, sondern nur mehr weltweit durch eine Pax Universalis. Darauf weist auch die Aussage des Alt-Österreichers Karl W. Deutsch hin, die er schon während des Vietnam-Krieges in den USA gemacht hat und die immer noch gilt: Alle Staaten der Welt, auch die mächtigsten, sind weltweit gesehen in einer „heillosen Minderheitensituation“. Globalisierung gibt es auch im 21. Jh., tritt aber durch die Selbstzerstörungsmöglichkeiten der Menschen, die neuen Umweltgefahren und andere weltweite Probleme in ein neues Stadium. Zugleich hat sich die Schnelligkeit, mit der Ereignisse weltweit bekannt gemacht werden, rasant erhöht und sind Geheimhaltungen heute insbesondere dank des Internets kaum mehr möglich.
Dass Individualisierung und Differenzierung für die Vergangenheit stünden, wie sie behaupten, kann ich nicht nachvollziehen.
Vielleicht meinen Sie – und insofern kann ich Ihnen zustimmen –, dass es beide Tendenzen auch in der Vergangenheit gegeben hat. Einen Meilenstein der Individualisierung stellte die Betonung des Eigenwertes jedes Menschen im Zuge der Renaissance dar. Aber die egozentrischen Tendenzen, einschließlich einer gewissen Asozialisierung und Entsolidarisierung zeichnet die jüngste Entwicklung aus.
Bezüglich der zunehmenden Differenzierung und der Steigerung der Komplexität in der Gesellschaft kann ich mich auf Niklas Luhmann berufen, der diese Tendenzen als das Kennzeichen der modernen Gesellschaft bezeichnet hat. Luhmann betont auch die Notwendigkeit der Reduktion von Komplexität und hat dazu einige interessante Vorschläge gemacht.
Der Bereich der Ökologie im umfassenden Sinn unter Einschluss der psychischen und sozialen Umwelt ist unser Lebensraum und muss gepflegt werden, wenn wir überleben wollen.
Heute und noch mehr morgen kann die Soziologie nicht auf quantitative Methoden beschränkt werden, sondern ist die Auseinandersetzung mit Qualitäten nötig. In der 13. Auflage seiner „Methoden der empirischen Sozialforschung“ hat Atteslander die Notwendigkeit beider methodischen Zugänge und ihrer Verknüpfung eindrucksvoll gezeigt.
Mein Ziel ist global denken, sozial handeln – wie Dieter Schulte, der frühere Präsident des Deutschen Gewerkschaftsbundes dies betont hat – in einer ökologisch überlebensfähigen, d.h. auf die Erkenntnisse der Soziologie angewiesenen und aufbauenden Welt. Der Soziologie von morgen stellen sich große, unverzichtbare Aufgaben für das Überleben einer Weltgesellschaft. Die Soziologen müssen sich diesen Aufgaben stellen und versuchen, sie bestmöglich wahrzunehmen.

Mit besten Grüßen                                            

Hugo Bachinsky

Advertisements

No comments yet»

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: